Bild: /Alte Pinakothek, München

Eine wirklich umfassende, zufriedenstellende Antwort gibt es darauf nicht. So räumt auch der Katholische Erwachsenenkatechismus ein, dass die Bibel keinen eigentlichen Grund für das Opfer als (vermeintlich notwendige) Folge der Sünde und des Bösen insgesamt in der Welt nennen kann. Vielmehr gehen alle Antworten von dem aus, was ist, und versuchen so dem Opfer einen Sinn zu geben.

 

 

Das Gemälde "Die Opferung Isaaks" von Rembrandt (1606-1669). Bild: © Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Alte Pinakothek, München

 

So wissen wir durch viele Erfahrungen, dass es das Unvollkommene, das Übel, das Böse und die Sünde in der Welt gibt – warum auch immer all das Unheil da ist und warum auch immer es vom allmächtigen und liebenden Gott zugelassen wird.
Ebenso machen wir die Erfahrung, dass ein Opfer eine heilsame Wirkung haben kann. In uneigennützigen, selbstlosen Taten opfern wir Zeit, Energie, Nerven, Geld, um etwas Gutes zu bewirken, Schaden abzuwenden oder zu begrenzen. Oftmals sind es Frauen, die zugunsten ihrer Familie auf eigene berufliche Entwicklungsmöglichkeiten und Einkommenschancen verzichten, nicht ohne Risiko, wenn die Familie auseinanderbricht. Der Einsatz für Gerechtigkeit kann dazu führen, selber ungerecht behandelt zu werden, z.B. wenn man sich für Ausgegrenzte einsetzt und auf einmal selber ausgegrenzt wird. Menschen riskieren gar ihr Leben, um anderer Leben zu retten, indem sie sich in lebensgefährliche Situationen begeben, wie z.B. Feuerwehrleute oder Entwicklungshelfer in Krisengebieten.
Das Sühneopfer ist eine besondere Opferform. Wenn Eltern für Ihre Kinder haften, übernehmen sie die Wiedergutmachung eines vom Kind angerichteten Schadens. Oder Großeltern opfern ihr Erspartes, um ihrem Enkelkind zu helfen Schuld abzutragen, damit es nicht eine Ersatzfreiheitsstrafe bekommt.
Das Opfer ist also eine mögliche Reaktion der Liebe auf das Unheil. Die Liebe will Leben erhalten und Leben gelingen lassen. Sie will dem Unheil mit Heilung begegnen.

Dass Abraham seinen Sohn schließlich doch nicht töten soll, markiert religionsgeschichtlich Bedeutsames: Im Unterschied zu den Göttern anderer Religionen verlangt der Gott Abrahams schlussendlich kein Menschenopfer. Und mit dem Kreuzestod Jesu, dem geliebten Sohn Gottes, wird endgültig das Heil der Menschen an kein religiöses, kultisches Menschenopfer mehr gebunden.
Um unseres Heiles willen kann ein Opfer nur derart sein, dass es als Akt der Liebe Leben rettet und Leben erfüllt. Eine solche Opferbereitschaft zeigt sich hauptsächlich im Teilen, im Helfen und im Einstehen für andere.

Eine besinnliche Fastenzeit wünscht Ihnen

Christoph Janßen
Pastoraler Mitarbeiter
Gefängnisseelsorger

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